Pete Walker: Posttraumatische Belastungsstörung - Vom Überleben zu neuem Leben
#1
Licht 
Im Frühjahr habe ich mir dieses Buch bestellt und ich muss sagen, dass ich mich selten in einem Buch so verstanden gefühlt habe, wie in diesem. Ich habe die unterschiedlichsten Traumata erlebt und wurde oft mit "silent treatment" bestraft. Im Verlauf der letzten 20 Jahre habe ich nicht nur erkannt, dass ich hochsensibel bin, sondern auch eine fettes emotionales Kindheitstrauma (kPTBS) im Gepäck habe - zusätzlich.

Pete Walker weiß genau wovon er schreibt, denn er hat es selbst erlebt, ist selbst Überlebender und arbeitet als Therapeut. Insbesondere wenn er von emotionalen Flashbacks schreibt, erkenne ich mich wieder. Er widmet Triggern sehr viel Aufmerksamkeit und gibt praktische Ansätze an die Hand, wie man diese erkennen und auch wieder aus ihnen herauskommen kann.

Darüber hinaus schreibt er über toxische Scham, Trauer und den inneren Kritiker.

Pete Walker: Posttraumatische Belastungsstörung - Vom Überleben zu neuem Leben
Life is not a matter of holding good cards, but playing a poor hand well. (R.L. Stevenson)
We need never be hopeless, because we can never be irreparably broken. (John Green)
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#2
Ich möchte auch eine Meinung zu dem Buch hierlassen.

Ich habe mich darin auch sehr verstanden gefühlt und gerade für Menschen, die oft zweifeln ob ihrs "zählt" und schlimm genug ist, weil sie subtilen emotionalen Missbrauch erlebt haben kann dieses Buch eine große Entlastung bringen, weil der Autor ausführlich erklärt und beschreibt, wie sich dieser auswirkt und dass er sehr schlimme Folgen hat. Gerade wenn einem sozusagen die "Beweise" fehlen, man nicht geschlagen wurde oder offen angeschrien, beschimpft und dergleichen, sondern der Missbrauch versteckter ablief, hilft das Buch sich zu glauben.

Auch was die Beschreibung von emotionalen Flashbacks angeht hat es mir geholfen, weil er diese als kennzeichnend für kPTBS beschreibt und ich vorher oft gezweifelt habe, ob meine Flashbacks "zählen", wirklich welche sind, weil sie anders sind als es oft in der Traumaliteratur beschrieben ist, wo eben häufig noch das "Kriegsveteranenmodell" vorherrscht, also Typ 1 Traumata beschrieben sind während es hier um Typ 2 geht. Er gibt außerdem viele praktische Ratschläge zu Flashbackmanagement.

Einen Kritikpunkt habe ich auch, und zwar ist mir der Schreibstil zu "dramatisch" und "jammernd". Er benutzt sehr viele drastische Adjektive, gefühlt in jedem zweiten Satz kommen Wörter wie "grausam", "abartig", "grässlich", "abgrundtief" usw vor, was für mich das Lesen anstrengend gemacht hat und mir mitunter auch auf die Nerven ging.

Er ist ein Betroffener und nimmt daher eine subjektive Sichtweise ein und keine professionelle, sachlich nüchterne. Das ist an manchen Stellen hilfreich, mich hat aber die fehlende Wissenschaftlichkeit auch manchmal gestört. Es gibt keinerlei Quellenangaben oder Belege, Links zu Studien in dem Buch.

Alles in allem würde ich es dennoch empfehlen, gerade weil es zu kPTBS und emotionalem Missbrauch meines Wissens noch nicht so viele Bücher gibt und es mir unterm Strich schon weitergeholfen hat, gerade in dem Punkt, mich verstanden zu fühlen und mir zu glauben.
Nichts ist so stark wie die Sanftheit und nichts ist so sanft wie echte Stärke. (Ralph W. Sockmann)
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#3
Dieses Buch begleitet mich schon einige Jahre.
Es hat mir nach der Diagnose sehr geholfen zu verstehen, was da in meinem System los ist und es war eine gute Ergänzug zur Therapie. Die Sprache von Pete Walker empfinde ich als sehr empathisch und wohlwollend, was mir hilft dies auch mit mir zu sein.
Das Buch finde ich sehr gut strukturiert. So kann ich mich in einer Kriese orientieren und das passende Kapitel finden. Mit jedem mal in dem ich auf das Buch zurückkomme, lerne ich etwas Neues oder es wird eine Erfahrung/Erkenntnis bestätigt, die ich im Vorfeld gemacht habe.
Auch helfen mir die Beispiele aus seiner Praxisarbeit besser zu verstehen wie sich Themen konktert im Alltag zeigen. Dies fördert meine Selbstreflexion, um die Muster überhaupt zu erkennen.
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